Die Runde an der Kerspetalsperre ist keine klassische Seepromenade, sondern eine Wanderung durch Wälder, Hohlwege und einzelne Asphaltpassagen rund um eine Trinkwassertalsperre. Genau das macht den Reiz aus, aber auch die Planung: Wer die Sperrzone, die Tourenlängen und die realistische Gehzeit kennt, erlebt hier einen ruhigen Halbtag statt einer Enttäuschung am Uferzaun. Ich ordne den Weg deshalb so ein, wie ich ihn selbst angehen würde: ehrlich, praktisch und ohne falsche Erwartungen.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Die Kerspetalsperre ist eine Trinkwassertalsperre, der direkte Uferbereich ist gesperrt.
- Eine echte Ufer-Runde gibt es nicht; gewandert wird im Umfeld mit Wald-, Dorf- und Asphaltabschnitten.
- Realistische Touren liegen je nach Variante bei etwa 12,6 bis 20,4 Kilometern.
- Für eine solide Halbtagestour solltest du 3,5 bis 5,5 Stunden einplanen.
- Der Blick auf die Staumauer ist der stärkste landschaftliche Moment der Runde.
- Feste Schuhe und ein realistischer Blick auf den Asphaltanteil machen den größten Unterschied.

Warum es hier keinen klassischen Uferweg gibt
Die wichtigste Vorabinfo ist schlicht: Am Wasser entlang spaziert man hier nicht. Die Talsperre dient der Trinkwasserversorgung, deshalb ist der unmittelbare Uferbereich gesperrt und eingezäunt. Wie Das Bergische beschreibt, stammt die Anlage aus dem Jahr 1912 und speist Rohwasser für die Wuppertaler Wasserversorgung; genau diese Funktion erklärt auch, warum die Runde anders aussieht als an vielen anderen Talsperren.
Für mich ist das kein Nachteil, solange man es vorher weiß. Die Tour lebt nicht von einer Promenade am See, sondern von Distanzblicken, Waldpassagen und dem Kontrast zwischen technischer Anlage und bergischer Landschaft. Wer mit der Erwartung einer echten Seerunde anreist, wird enttäuscht; wer einen ruhigen Wanderraum sucht, bekommt genau das. Der nächste sinnvolle Schritt ist daher, die passende Variantenlänge zu wählen.
Welche Runde sich für wen eignet
Outdooractive führt rund um die Kerspetalsperre mehrere Wanderungen mit sehr unterschiedlichem Zuschnitt. Ich würde die Auswahl nicht nach dem Namen, sondern nach Zeit, Höhenmetern und Asphaltanteil treffen, denn genau dort liegen die praktischen Unterschiede. Die Zeitangaben sind Orientierungswerte; mit Pausen und Fotostopps liegen sie schnell 20 bis 30 Prozent höher.
| Variante | Länge | Zeit | Höhenmeter | Mein Eindruck |
|---|---|---|---|---|
| Wanderparkplatz Dürener Haus | 12,6 km | ca. 3:25 h | 222 hm | Die kompakteste Halbtagesrunde, wenn du ein überschaubares Pensum willst. |
| Rönsahl über Großfastenrath | 17,1 km | ca. 4:20 h | 188 hm | Die ausgewogenste Variante für eine entspannte, aber nicht zu kurze Wanderung. |
| Halver Kerspetalsperre Rundweg | 20,4 km | ca. 5:25 h | 444 hm | Die längste Option; sinnvoll, wenn du einen echten Tagesausflug suchst und Anstiege magst. |
Mein Rat ist klar: Für den ersten Besuch würde ich meist die mittlere Strecke wählen. Sie ist lang genug, um die Landschaft wirken zu lassen, aber noch nicht so ausgreifend, dass die Asphaltpassagen zäh werden. Mit Kindern oder sehr gemächlichem Tempo würde ich eher bei den kürzeren Touren bleiben. Wer Kondition und Zeit mitbringt, kann die längere Tour als vollwertige Bergische Tagestour gehen. Damit steht die Frage im Raum, wo man am besten startet und wie man die Anfahrt löst.
So kommst du sinnvoll zum Start
Ich würde die Talsperre nicht als Ort behandeln, den man einfach „ansteuert und umrundet“. Praktischer ist es, einen der umliegenden Startpunkte zu wählen und die Runde von dort zu laufen. Häufig genutzte Einstiege sind Kierspe, Rönsahl oder der Wanderparkplatz Dürener Haus; die Staumauer selbst liegt an der Straße Großfastenrath und ist am ehesten im Rahmen einer Wanderung zu Fuß sinnvoll erreichbar.
Das hat zwei Vorteile. Erstens vermeidest du unnötige Schleifen zu gesperrten oder wenig attraktiven Bereichen. Zweitens kannst du die Runde besser an deine Tagesform anpassen, statt zwanghaft eine „perfekte“ Uferumrundung zu suchen, die es so gar nicht gibt. Gerade bei dieser Tour gewinnt, wer die Logistik simpel hält. Danach lohnt sich der Blick darauf, was unterwegs landschaftlich tatsächlich heraussticht.
Was unterwegs wirklich überzeugt
Der schönste Moment ist für mich nicht irgendein Panoramabild, sondern der Wechsel aus Nähe und Distanz: Waldkanten, offene Kuppen, kleine Orte und dazwischen immer wieder der Blick auf die Staumauer. Diese Mischung macht die Runde lebendig, obwohl sie auf der Karte zunächst unspektakulär wirken kann. Besonders stark ist der Abschnitt rund um Großfastenrath, weil hier die technische Größe der Anlage erst richtig sichtbar wird.
Spannend finde ich auch die kleinen Details am Weg. Hinweistafeln zur Trinkwasserversorgung geben dem Ort einen sachlichen Rahmen, und die alten Armaturen, die man dort teils als Freiluft-Ausstellung sieht, erzählen mehr über die Geschichte der Anlage als man auf einer reinen Naturtour erwarten würde. Genau das ist der Reiz solcher bergischen Wanderungen: Man geht nicht nur durch Landschaft, sondern immer auch durch regionale Technik- und Alltagsgeschichte. Wenn du diesen Charakter magst, macht die Runde deutlich mehr Sinn als jede rein dekorative Seerunde.
Ausrüstung und Timing, die hier wirklich einen Unterschied machen
Für diese Runde würde ich keine Minimalplanung empfehlen. Die Wege sind nicht durchgehend anspruchsvoll, aber die Mischung aus langen Abschnitten auf Asphalt, Waldwegen und Anstiegen fordert die Füße mehr, als die Strecke auf den ersten Blick vermuten lässt. Ich gehe hier am liebsten mit stabilen Wanderschuhen, 1 bis 1,5 Litern Wasser pro Person und einer Karte oder App, die auch ohne Netz halbwegs zuverlässig funktioniert.
- Schuhe: griffig, bequem und nicht zu weich, sonst werden die längeren Passagen unnötig mühsam.
- Verpflegung: ein kleiner Snack reicht oft schon, aber auf 4 bis 5 Stunden solltest du nicht ohne Pause gehen.
- Wetter: Bei trockenen Bedingungen läuft sich die Tour deutlich angenehmer als nach mehreren Regentagen.
- Jahreszeit: Frühling und Herbst sind ideal, weil Wald und Fernblicke dann am stärksten wirken.
- Tempo: Plane lieber etwas großzügiger, besonders wenn du die Staumauer und die Umgebung in Ruhe anschauen willst.
Was ich für die nächste Runde an der Kerspetalsperre mitnehmen würde
Ich würde die Tour als ruhige, landschaftlich reizvolle Halbtagestour mit technischem Charakter einordnen, nicht als romantische Seerunde. Genau diese Einordnung spart Enttäuschungen und macht die Wanderung besser: Wer die Sperrzone akzeptiert, die Distanz zur Staumauer einplant und die richtige Länge wählt, bekommt eine stimmige Runde mit viel bergischer Atmosphäre.
Mein pragmatischer Rat ist deshalb einfach: Starte nicht zu spät, wähle eine Strecke nach Kondition statt nach Ehrgeiz und rechne mit mehr Asphalt als auf einer klassischen Waldtour. Dann wird aus dem Weg an der Kerspetalsperre keine improvisierte Kompromisslösung, sondern eine saubere Wanderung, die man gerne weiterempfiehlt.